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Niederlagen nutzen

Lange hat sich auf meinem Kanal hier nichts getan. Das lag nicht daran, dass ich mehr Pause brauchte als die gewöhnlichen "Sommerpausen", sondern weil sich im Hintergrund vieles abgespielt hat und - wie das Leben so will - nicht immer alles so rund lief, wie man es sich vorgestellt hat.


Mein Plan war es, Vollzeit in die Selbstständigkeit einzusteigen und hatte dafür ein Gründercoaching laufen, mit welchem ich nicht nur meinen Businessplan erarbeiten und meine Nische ausarbeiten, sondern vor allem auch den Gründerzuschuss beantragen wollte. Nicht nur, dass es vorher schon zu Verzögerungen kam, weil kompetente Menschen durch weniger kompetente und kommunikative Mitarbeiter vorübergehend ersetzt wurden, sondern auch weil Menschen ihr Fachwissen nur spärlich auf Nachfrage rausgaben und teilweise sogar falsche Aussagen tätigten, die schlussendlich eine Planänderung hervorrief.


Um ein bisschen mehr Informationen darüber zu bekommen, höre Dir einfach meine Podcast zu diesem Thema an. Dort erkläre ich den Hintergrund kurz deutlicher.


Was ich besonders amüsant in der Plan-B-Phase fand, war, dass mein Coach mich eine Woche vor dem Umbruch fragte: "Saskia, wie gehst Du eigentlich mit Niederlagen um?" [Vorweg: Ja, auch Coaches haben Coaches, denn es ist immer gut jemanden an seiner Seite zu wissen, wenn man gerade nicht in seiner vollen Kraft sein kann oder wenn man Bereiche mit Wissen auffüllen möchte, welches man sonst nicht hat und sich hart erarbeiten müssten.]

Auf die Frage hatte ich eine klare Antwort: "Ich weiß an sich was ich will. Besonders, nachdem wir aktiv an meinen Zielen gearbeitet haben. Ich bin mir sehr bewusst über meine Ziele und lassen mich nicht von anderen Menschen auf meinem Weg blockieren. Natürlich kann es auch zu Umständen kommen, die einem den erdachten "leichten" Weg unmöglich machen, aber ich lasse mich davon nicht entmutigen, sondern lasse meine Emotionen zu und suche danach eine Lösung, um über einen anderen Weg wieder zu meinem Ziel zu kommen."

Wir ahnten beide zu dem Zeitpunkt nicht, dass nur eine Woche später meine Worte auf die Probe gestellt wurden. Umso glücklicher war ich, als ich ihm das direkt bei unseren nächsten zwei Terminen aufzeigen konnte. Doch wie genau bin ich vorgegangen? Lass mich Dir das kurz schildern:


Es gab vorher schon Komplikationen, weswegen meine Intuition mir frühzeitig den Impuls gab, dass es nicht so schnell zu einer Vollzeit-Selbstständigkeit kommen wird. Diesen Impuls ignorierte ich zwar nicht, aber ich legte ihn erstmal beiseite, denn mein Coach ist guten Willens, lösungsorientiert, kreativ und sehr kompetent in seinem Fachbereich, weswegen ich ein gutes Gefühl bei ihm hatte und wusste, mögliche blockierende Ängste könnte ich mit ihm zusammen beseitigen. Demnach war mir auch klar, sollte der Impuls sich bewahrheiten, würde ich mit ihm an meiner Seite dennoch den perfekten Plan B erarbeiten können.


Ich schrieb also meinen Businessplan und beantragte den Gründerzuschuss. Alles lief nach einem Plan, durch den ich mich aktiv von ihm führen ließ - bis Tag X. Tag X war der Montag, der die ganze Arbeit teilweise innerhalb von einem 10 Minuten Telefonat über den Haufen warf, denn es gab bei meiner Selbstständigkeit ein Hindernis - ich hatte kein Eigenkapital mehr, welches ich zur Gründung nutzen konnte. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich kein Geld auf der Kante hatte, was ich einfach "investieren" konnte und das war für mich auch wichtig, dass es mal so war, denn das war etwas, was ich in meinem Money-Mindset bereits aufgebrochen hatte. [Hätte ich das nicht bereits aufgelöst gehabt, wäre es niemals zum Gründercoaching gekommen, welches mir mehr als jegliches Geld in der Welt geholfen hat.] Ich war also angewiesen auf den Gründerzuschuss und bekam ihn nicht, außer ich würde das Gründercoaching selbst zahlen - womit ich dann erstmal in einen größeren Verlust gehen würde.


Nun hätte ich mich darüber ärgern können, dass ich nur wegen mangelnder Finanzlage meine Selbstständigkeit nicht Vollzeit aufnehmen kann. Ich hätte mich verkriechen können und die ganze Arbeit vom Gründercoaching über Bord werfen können - immerhin brauchte ich keinen Businessplan mehr. Auch gebe es die Möglichkeit einen Rechtsanwalt zu Rate zu ziehen und die Energie darein zu investieren, der verantwortlichen Stelle "ans Bein zu pissen", immerhin war von deren Seite aus schon keine klare Kommunikation erfolgt und teilweise Dinge verzögert worden. Doch was hätte es mir schlussendlich gebracht? Richtig, NICHTS!

Stattdessen nutzte ich den Tag mich mit meinem Coach kurzzuschließen, ihn von der neuen Situation zu berichten und mit ihm abzustimmen, dass wir gemeinsam einen möglichen Plan B bei unserem nächsten Termin erarbeiteten. Dann verbrachte ich den Tag damit, dass ich meine Emotionen freien Lauf ließ. Ich ließ sie einfach zu - Trauer, Ärger, Wut über alles und jeden und auch mich. Meinem Körper genehmigte ich das, was er brauchte: Bad, Ruhe, Sport und Wohlfühlessen.

Bereits am nächsten Tag ging es mir besser. Mein Kopf war klar und bereit in eine neue Zukunft zu sehen. Meine Gefühle waren verstanden worden, so dass sie sich nicht unkontrolliert den Weg nach Außen suchten. Ich ging entspannter zu dem Termin mit meinem Coach, weil ich wusste, dass dies der Zeitpunkt war, wo ich aktiv an meinem Plan B arbeitete und genau das taten wir - sehr sachlich und lösungsorientiert.


Das Resultat sieht natürlich nun anders aus, denn es bedeutet, dass ich vorerst in ein Teilzeit-Angestelltenverhältnis gehe, nebenbei meine Selbstständigkeit aufbaue und die Möglichkeit habe, neben Anschaffungen auch ein Eigenkapitel für das Business anlegen zu können. Das gibt natürlich Sicherheit, statt mit Verlusten anzufangen, die einen nur im glücklichsten Fall durch Unsicherheit zu Bestleistungen motivieren soll.

Der Vorteil ist also nicht nur ein weniger bis gar kein "rotes Konto", sondern auch die Möglichkeiten die es dazu eröffnet hat. Denn ich hatte vorher schon mal mit dem Gedanken gespielt, nebenbei zu studieren. Als Vollzeit-Selbstständige sah ich dies zeitlich machbar, doch auch dort spielte die finanzielle Lage wieder eine Rolle, denn in der Studienzeit kann ich nicht aktiv Geld verdienen, mit der ich das Studium und mein Lebensunterhalt inkl. Business finanzieren könnte. Daher war der Gedanke erstmal auf Wiedervorlage verschoben worden - studieren konnte ich ja auch später noch, wenn das Business schon gut lief. Jetzt konnte ich ein Studium in mein Drei-Jahres-Plan bereits mit einbeziehen. [Zum Vergleich: in meinem vorherigen Fünf-Jahres-Plan war es nicht mal Thema.]

Ein weiterer Vorteil bestand darin, dass ich vermehrt ins Online-Coaching möchte - also Onlinekurse, Gruppen-Seminare, Autorin und Speaker sein inkl. Social Media Content. Als Vollzeit-Selbstständige wäre ich darauf angewiesen gewesen mit 1:1 Coachings mein Unternehmen aufzubauen. Damit hätte sich auch mein eigentliches Ziel "Online-Coaching" ausgedehnt und wäre weniger nah und an der Tagesordnung gewesen. Jetzt ist die Möglichkeit genau anders herum. Ich bin auf 1:1 Coachings nicht angewiesen, kann sie aber mit einplanen, sofern der Bedarf bei einem Coachee/Klienten besteht. Meine Tagesordnung bestimmt daher aktuell mein "Online-Coaching-Ziel".


Daher möchte ich Dir heute meine Top 5 "wie geht man am besten mit Niederlagen um" mitgeben:

  1. Akzeptiere die Gefühle die sich gerade bei Dir bemerkbar machen wollen. Sie haben ein Recht da zu sein, immerhin ist Dir gerade eine gewünschte Sicherheit abhandengekommen.

  2. Suche Dir schnell einen Punkt (ggf. auch zuzüglich eine Person), an der Du einen Plan B erarbeitest, sofern Du keinen hast. Solltest Du den bereits haben, dann setze Dir einen festen Punkt, Dich intensiv mit diesem zu befassen. Das gibt den Gefühlen nochmal Raum und nimmt Dir den Druck aus dem Kopf, trotz brodelnder Gefühle sofort eine Lösung parat haben zu müssen.

  3. Gönn Dir Ruhe. Egal welches Gefühl im Vordergrund steht (Freude wird es wohl eher in den seltensten Fällen sein), sie haben eine ordentliche Wucht und kosten dementsprechend Energie. Deinen Alltag an diesem Tag wie gewohnt abarbeiten zu wollen, grenzt an Superhelden-Mindset. Solltest Du wegen Verpflichtungen zum "Superhelden" mutieren müssen, dann belohne Dich wenigstens im Anschluss dafür mit etwas, was Deinem Wohlbefinden dient. [Manchmal reicht es auch einen Orden für diesen Tag ins Tagebuch zu malen.]

  4. Schlafe eine Nacht drüber, sehe es dann als Vergangenheit an und sei dankbar dafür. Du bist jetzt auf dem Weg in die Zukunft. Ja, der Umweg tut noch immer weh, aber immerhin bedeutet es, dass der Umweg ein besserer Weg für Dich ist, als der vorerst eingeschlagene. Sei dankbar dafür, dass Dir dadurch andere Probleme erspart bleiben, die womöglich Dein Ziel komplett gefährdet hätten.

  5. Suche aktiv die Vorteile bei Plan B, denn die gibt es. Vielleicht kannst Du nun etwas einbeziehen, was Du vorher gerne dabei gehabt hättest, aber kein Platz gefunden hat. Oder Dir fallen neue Möglichkeiten ein, die vorher gar nicht auf Deinem Radar auftauchen konnten, weil Du eine ganz andere Route verfolgtest. Neue Möglichkeiten machen den "Umweg" häufig schnell attraktiv, was es einen umso leichter macht über den Verlust von Plan A hinwegzusehen.

Bonus: Überlege mal, wo in Deinem Leben Du bereits Niederlagen/Schicksalsschläge erfahren hast. Über viele Dinge wirst Du heute womöglich lachen oder einfach hinwegwinken mit: "ja, das war mal" oder "ist mir damals passiert". Und dann mache Dir bewusst, dass diese Niederlage in Deiner Zukunft auch so ein Moment sein wird, die als gute Geschichte zum Erzählen dient.

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