Yoga ist nicht grundsätzlich das Beste für jeden

Yoga gilt als sehr gesund und daher schwören Yogi auch häufig überschwänglich darauf, dass es das Non-Plus-Ultra ist. Wer dies für sich nicht fühlt, wird schnell als unachtsam oder unausgeglichen deklariert – immerhin wirkt sich Yoga positiv auf Beweglichkeit, Stärkung der Muskulatur und Wohlbefinden aus, insbesondere bei Stress. In den Augen des Yogi gibt es keinen Grund dagegen, da es für jeden geeignet ist – ganz gleich des Erfahrungs- oder Fitnesslevels.

Während er seine Überzeugung im Gegenüber verankern will, übersieht dieser gänzlich, dass er nicht nur Grenzen überschreitet, sondern vor allem unausgeglichen und unachtsam seinem Mitmenschen gegenüber agiert.


Hochsensible reflektieren sich mehrere Male am Tag – ob bewusst oder unterbewusst – und lassen sich von den Worten des Yogi auch Tage später noch gerne verunsichern. Spätesten wenn dem HSP im Gespräch ein Satz wie „ich müsste auch mal Yoga machen“ oder „als ich Yoga mal versucht habe, war es nichts für mich, was wohl am falschen Lehrer lag“ aus dem Mund entgleitet, sollte man tief in sich gehen.

Viele HSPs wissen instinktiv was richtig für sie ist. Hat der HSP bereits Yoga ausprobiert und ist nicht dabei geblieben, oder hat sich beim Gedanken daran schon gesträubt, dann gibt es dafür durchaus Gründe. Ist uns dieser nicht bekannt, ist die Schlagfähigkeit im Gespräch mit einem Yogi blockiert und wir fühlen uns überfahren.


Das zentrale Ziel von Yoga ist es, ein besseres Körpergefühl zu entwickeln und genau darin besteht schon der Punkt, wieso es völlig in Ordnung ist, dass man von sich selbst behauptet, dass Yoga nicht für einen gemacht ist – auch ohne es vorher getestet haben zu müssen.


Eine kurze Anekdote dazu:

Eine Bekannte von mir war auf der Arbeit ständig auf Zack, inklusive zahlreicher Überstunden. Ihre Feierabende sahen nicht weniger stressig aus, weshalb ich mich sehr für sie freute, als sie mir mitteilte, tägliches Yoga vorm Schlafen bewusst zu nutzen, um zur Ruhe zu kommen. Bis auf wenige Tanzstunden in der Woche, war Yoga zusätzlich auch der einzige Sport, den sie aktiv betrieb.

Mein Alltag war komplett gegensätzlich. Sitz-Job im Büro, in der Freizeit viel Zeiträume zum Reflektieren, persönlichem Wachstum und Quality-Time – sowohl alleine als auch sozial. Für meine Fitness suchte ich mir bewusst aktive, abwechslungsreiche Sportarten aus – HIIT, Boxen, Joggen mit Sprinteinheiten etc.

Im Yin-Yang-Prinzip macht es absolut Sinn, weshalb wir beide intuitiv die richtige Sportart für uns gefunden hatten. Sie – Power-Tag also Ruhesport. Ich – Ruhe-Tag also Powersport. Dennoch war sie der festen Überzeugung, dass mir Yoga guttun würde und nahm meine ablehnende Erklärung sogar als Beweis für die Richtigkeit ihrer Aussage: „Siehst du, du bist total unausgeglichen innerlich, sonst würdest du dich jetzt nicht dagegen sträuben.“


Dass sie damit sogar der philosophischen Lehre von Yoga widersprach, merkte sie selbst gar nicht. Im Gegensatz zu ihr, fand ich den perfekte Weg sowohl meinen Körper als auch meinen Geist zu reinigen – abseits von Yogapraktiken - und lebte bereits im Einklang mit mir selbst. Sie wusste sogar, dass ich schon verschiedene Yoga-Arten getestet hatte und diese mir keinen benötigten Mehrwert gaben.


Dennoch scheint das Thema Yoga viele Menschen zu beschäftigen und hat bei dem einen oder anderen HSP schon für Verunsicherung gesorgt. Selbstverständlich gilt dies nicht nur für diese Sportart, aber da besonders Yoga als „der Sport, der für wirklich jeden geeignet ist“ beworben wird, gilt es einmal mehr klarzustellen, dass es sogar phasenweise kontraproduktiv sein kann. Denn hätte ich beispielsweise keine aktiven Sportarten gewählt und neben meinen Meditationen noch zusätzlich Yoga betrieben, hätte sich mein Organismus einen anderen Kanal suchen müssen diese überschüssige Energie abzuarbeiten.

Wer also versucht ein gesellschaftliches Bild zu wahren – abseits seiner eigenen Intuition – entwickelt sich schnell zu einem toxischen Hochsensiblen, der sich über kurz oder lang durch das universelle Anziehungsgesetz weitere narzisstisch agierende Menschen ins Leben holt – dagegen hilft dann auch die beste Yogasession nichts.


Finde die Sportart, die dein Geist und dein Körper brauchen, um nicht nur körperlich fit zu bleiben, sondern Dir auch seelisch einen Ausgleich bietet.

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